In dieser Teildisziplin geht es weniger um die formale Dimension von Politik, d.h. die grundlegenden Verfahrensregelungen, Institutionen und Normen (polity); es geht ebenfalls weniger um die prozessuale Dimension von Politik, d.h. die Entscheidungsprozesse und Konfliktaustragungen (politics). Vielmehr steht die inhaltliche Dimension von Politik, d.h. die Problemverarbeitung und Aufgabenerfüllung durch das politisch-administrative System in Form von staatlichen Programmen und Instrumente (policy) im Vordergrund. Dazu werden die Entstehungsbedingungen politischer Programme, ihrer Beschaffenheit und ihre Umsetzung und Wirkung analysiert (s.a.
Policy-Cycle) . Politikfeldanalyse grenzt damit an die Verwaltungs- sowie die Implementations- und Evaluationsforschung an. Zugleich bildet sie einen anwendungsorientierten Zweig der Politikwissenschaft.
Eine grundlegende Vorgehensweise stellt die Bestimmung von Policies dar. Verbreitet ist eine Klassifizierung nach nominalen – meist institutionellen – Kriterien. Demnach ist Gesundheitspolitik dasjenige Feld, das vom Gesundheitsministerium und den darauf bezogenen politischen Akteuren bearbeitet wird. Allerdings ist hierbei zu beachten, dass trotz gleichen Sprachgebrauchs Veränderungen über die Zeit und im internationalen Vergleich auftreten können. So ist etwa die Ausdifferenzierung der Gesundheits- aus der (allgemeinen) Sozialpolitik erst in den 1960er Jahren erfolgt. Als Instrumente stehen v.a. Recht, Geld und Organisation zur Verfügung, die wiederum je nach Politikfeld in unterschiedlichem Maße zum Einsatz gelangen.
Eine stärker analytische Unterscheidung klassifiziert nach der Wirkung in regulative, distributive und redistributive Policies; dabei weisen diese unterschiedliche Grade und Formen des politischen Konflikts auf, was Lowi auf die These „Policy determines Politics“ gebracht hat. In ähnlicher Weise lässt sich ein Zusammenhang zwischen den politischen Rahmenbedingungen und den Klassen von Policies herstellen
In strukturelle Hinsicht lassen sich Politikfelder als Netzwerke erfassen, in denen Interessen vermittelt, politische Entscheidungen getroffen und implementiert werden. Wichtige Dimensionen bilden dabei
Demnach können Politiknetzwerke mehr oder weniger stark geschlossen oder zentralisiert sein oder durch eher konfliktorische oder kooperative Strategien gekennzeichnet sein. Typische Verhaltensmuster der politischen Akteure bei der Problemlösung können sich als Politikstile perpetuieren, wobei eine hier weniger die Charakteristika von gesamten politischen Systemen als von spezifischen Politikfeldern gemeint ist. Insofern zeigen z.B. die jüngsten Reformen in der Rentenpolitik ein übergreifende Tendenz zur Ergänzung der bisherigen (beitrags- oder steuerfinanzierten) Systeme durch Elemente der Kapitaldeckung – freilich häufig ergänzt durch national spezifische Formen der Institutionalisierung und sozialen Ausgleichsmechanismen.
In jüngerer Zeit sind verstärkt Aspekte des Lernens und die Rolle des Wissens thematisiert worden. Dazu wird von Belief Systems, Policy Paradigmen und Wissenskoalitionen ausgegangen, in denen sich Grundüberzeugungen und Weltbilder verfestigt haben, und die so die kognitive Struktur eines Politikfelds markieren. Der Paradigmenwechsel in der Ökonomie vom Keynesianismus zum Monetarismus ist ein gutes Beispiel hierfür: Damit hat sich das wirtschaftspolitische Leitbild nachhaltig verändert und die Relevanz von Faktoren wie Haushaltsdefizit oder Geldwertstabilität entsprechend verschoben – ohne dass sich dabei Interessen- und Machtpositionen verändert haben müssen.
Bei solchen Lernprozessen entstehen neue Prioritäten, kausale Annahmen und „kognitive Landkarten“, durch die sich dann auch Veränderungen in der Politikgestaltung ergeben. Neue „windows of opportunity“ öffnen sich etwa dadurch, dass strukturelle Restriktionen und politische Ressourcen in einen neuen Interpretationszusammenhang gestellt werden und zu neuen politikstrategischen Optionen führen. Die Karriere von Kommissionen – etwa die Benchmarking-Gruppe im Bündnis für Arbeit, die Hartz-Kommission in der Arbeitsmarktpolitik und die Rürup-Kommission in der sozialen Sicherung – sind teilweise ebenfalls Versuche der Mobilisierung solcher Wissensbestände in den politischen Entscheidungsprozessen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang jedoch, dass der deutsche Kontext zu erheblichen Modifikationen des Ansatzes führt, weil hierzulande die Parteien die Politik viel stärker strukturieren als in den USA und die institutionellen Vetopositionen der Akteure sehr hoch sind. Insofern relativiert sich die eingangs getroffene Abgrenzung von politics und polity wieder.
Insgesamt betrachtet stellt die Politikfeldanalyse keine eigene, in sich geschlossene Theorie dar; sie verfügt über eine Reihe von Konzepten und Analysewerkzeugen und greift vielfach auf andere Ansätze zurück, die sich mit der Analyse materieller Politiken beschäftigen. Sie verbindet dabei ein Interesse an Theorien mittlerer Reichweite mit einer pragmatischen Problemlösungsorientierung – was gelegentlich in Reformeuphorie und Technokratie überschwappen kann. Zugleich zeigen die vorliegenden Ergebnisse, das Politik einen Unterschied machen kann und somit kein sozio-ökonomischer Determinismus vorherrscht.