In Verbänden findet die Vielfalt gesellschaftlicher Interessen ihren Ausdruckt; so umfasst etwa die "Lobby-Liste" des Deutschen Bundestages über 1700 Einträge, Schätzungen über ihre gesamte Zahl liegen noch weit höher. Allerdings spiegeln sie nicht alle in der Gesellschaft vorhandenen Interessen wider, da manche nicht oder nur schlecht organisierbar sind. Zugleich spielen die Ressourcen, die ein Verband zur Lösung bestimmter Probleme zur Verfügung stellen kann (etwa Expertise und Einrichtungen) eine Rolle. Daher besteht zwischen einzelnen Verbänden ein Machtgefälle, was zu kritischen Debatten über ihre Funktion und Legitimation geführt hat.
Die Vielzahl und Unterschiedlichkeit von Verbänden lässt sich in Anlehnung an von Alemann durch eine Typologie gesellschaftlichen Handlungsfelder strukturieren. Diese umfassen
Gewerkschaften, Konsumentenverbände)In der Realität übergreifen sie jedoch vielfach diese Einteilung und sind gleichzeitig in mehreren Handlungsfeldern aktiv bzw. teilweise auch wie bei den großen Dachverbänden aus mehreren, z.T. relativ unabhängigen Organisationen zusammengesetzt.
In Anlehnung an vier grundlegende theoretische Ansätze lassen sich verschiedene Struktur- und Handlungsmuster unterscheiden.
Verbände artikulieren und repräsentieren die unterschiedlichen Interessenlagen einer modernen, pluralistischen Gesellschaft und gelten als notwendiges Element im demokratischen Willensbildungsprozeß. Ihre Legitimität wird gerade auch gegenüber einem staatlichen Souveränitätsdenken betont. Die Pluralismusforschung befasst sich intensiv mit den vielfältigen Aktivitäten von Interessengruppen und ihre Einflußnahmen auf staatliche Entscheidungen. Dabei betont eine v.a. in der Bundesrepublik wichtige Neopluralismus-Schule die Bedeutung von (staatlich gesetzten) Verfahrensregeln der Konfliktaustragung und die innere demokratische Verfassung der Verbände.
Im Unterschied dazu konzentriert sich der Neokorporatismus-Ansatz auf Verhandlung und die Durchführung abgestimmter Maßnahmen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialpolitik. Im Mittelpunkt stehen v.a. die zentralisierten Großverbände wie die
Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände, Landwirtschaftsverbände sowie Wohlfahrts- und Ärzteverbände und ihre Steuerungspotentiale. Zudem wird die verbandliche Selbstregulierung („Private Interessenregierungen“) wie z.B. in der technische Normung untersucht.
Systemtheoretische Ansätze betonen den Beitrag, den Verbände für das politische System leisten. Eine wichtige Funktionsbestimmung ist die der Integration sowie die Unterscheidung zwischen Interessenaggregation durch Parteien und die Interessenartikulation durch Verbände. Die frühen Vertreter dieser Richtung sind wegen ihrer statischen und systemstabilisierenden Orientierung vielfach kritisiert worden; beispielsweise im Hinblick auf harmonische Gleichgewichtsvorstellungen oder die Annahme, daß eine gewisse Apathie der Mitglieder durchaus funktional sei.
Verbände und ihre Mitglieder werden ferner (v.a. in der neuen politischen Ökonomie) als Akteure werden betrachtet, die danach streben, ihren Nutzen zu maximieren. Ein solches rationales Verhalten läßt jedoch die Mitarbeit in einem Verband als wenig effizient erscheinen, da die Ergebnisse der Verbandspolitik, etwa eine gesetzliche Regelung, häufig allen Bürgern und nicht nur Mitgliedern zugute kommt. Besonders bei großen Verbänden wird dieses Trittbrettfahrer-Verhalten problematisch und muß seitens der Organisation durch selektive Anreize wie Zeitschriften, Beratung und andere Dienste ausschließlich für Mitglieder kompensiert werden. Auch das politische Verhalten und die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen von Interessenorganisationen läßt sich nach diesem Argumentationsmuster erklären: kleine Verbände sind im Unterschied zu großen und umfassenden Organisationen eher in der Lage, Kosten abzuwälzen und verhindern dadurch effiziente Entscheidungen in Politik und Wirtschaft.
Insgesamt hat sich inzwischen die Vorstellung durchgesetzt, dass die Verbändelandschaft äußerst heterogen ist und nicht durch einen theoretischen Ansatz befriedigend zu erklären ist. Gegenwärtig fokussiert sich die Forschung zunehmend auf Krisenerscheinungen v.a. der Tarifparteien; bei diesen zeigt sich eine nachlassende Rekrutierungs- und Bindungsfähigkeit, was mit Schlagworten wie „Aussterben der Stammkunden“ oder „Tarifflucht“ signalisiert wird. Dies ist die Folge der gewandelten soziökonomischen und politischen Rahmenbedingungen einerseits und mangelnder organisatorischer Anpassung andererseits.